Sechs Monate lang wurde ich von der Familie meines Verlobten auf Arabisch verspottet, überzeugt davon, dass ich nichts verstand; sie hatten keine Ahnung, dass ich die Sprache fließend sprach und eine Überraschung für sie in petto hatte, die sie noch lange nicht vergessen würden.
Sechs Monate lang schwieg ich.

Sechs Monate lang hörte ich zu, wie mein Verlobter und seine Familie auf Arabisch über mich sprachen, überzeugt davon, dass ich kein Wort verstand. Sie hielten mich für ein naives Mädchen, das lächelte und nickte, weil es angeblich nichts verstand.
Sie hatten keine Ahnung, dass ich fließend Arabisch sprach. Und schon gar nicht, wie das für sie enden würde.
Der Abend fand in einem privaten Raum eines teuren Restaurants statt. Fast alle Familienmitglieder meines Verlobten saßen an der langen Tafel. Sie sprachen schnell, unterbrachen einander und lachten. Arabisch erfüllte ständig die Luft, als würde ich überhaupt nicht existieren.
Am Kopfende der Tafel saß mein Verlobter – nennen wir ihn Samir. Seine Hand lag auf meiner Schulter. Er übersetzte nichts. Nicht einmal einen Versuch machte er.
Seine Mutter, Fatima, beobachtete mich aufmerksam von der anderen Seite der Tafel. Ihr Blick hatte die herablassende Ruhe von jemandem, der von der eigenen Überlegenheit überzeugt war.
Samir beugte sich zu seinem Bruder und sagte auf Arabisch:
— Stell dir vor, sie hat heute schon wieder Kaffee aus dem Automaten bestellt. Sie weiß nicht einmal, wie man anständigen Kaffee macht.
Der Bruder grinste:
— Wirklich? Und du willst eine Frau heiraten, die den Unterschied zwischen Kardamom und Zimt nicht kennt?
Ich nahm ruhig einen Schluck Wasser. Ein höfliches Lächeln erschien auf meinem Gesicht. Genau das, das ich jahrelang geübt hatte. Ich hatte acht Jahre in Dubai gelebt. Und in dieser Zeit hatte ich eines gelernt: Menschen verlieren meistens, wenn sie andere unterschätzen.
Samir drückte leicht fester auf meine Schulter.
— Mama sagt, dass dir das Kleid sehr gut steht, — übersetzte er lieblich.
Ich lächelte noch freundlicher.
— Sag ihr Danke. Schön zu hören.
Und nur eine Minute zuvor hatte Fatima noch gesagt, dass das Kleid zu freizügig und billig aussähe.









