Als ich erwachte, war mein Kopf kahl. Sofort wusste ich, dass mein Mann es gewesen war. Der Schmerz war da – körperlich und innerlich –, doch in mir reifte nur ein Gedanke: Ich würde mich rächen.

LEBENSGESCHICHTEN

Der Morgen begann seltsam.
Ich wachte auf – und spürte eine ungewohnte Kälte auf meinem Kopf.
Instinktiv griff ich hin. Meine Hand erstarrte.
Unter den Fingern: glatte Haut. Kein einziges Haar.

Mein Herz raste. Ich sprang aus dem Bett, stolperte ins Badezimmer.
Im Spiegel blickte mich eine Fremde an – kahl, mit weit aufgerissenen Augen und zitternden Lippen.

„Nein …“
Das Wort kam kaum über meine Lippen, während mir die Tränen unkontrolliert über das Gesicht liefen.

Ich wusste sofort, wer es getan hatte. Und inmitten des Schmerzes formte sich ein einziger, klarer Gedanke:
Ich würde mich rächen.

Ich ging zurück ins Schlafzimmer, setzte mich auf die Bettkante und bedeckte mein Gesicht mit den Händen. Die Gedanken wirbelten.
Es hätte vieles sein können – eine Krankheit, eine allergische Reaktion … Doch tief in mir wehrte sich etwas, die grausame Vermutung zuzulassen: dass mein Mann es getan hatte.

Mit zitternden Fingern griff ich zum Telefon und wählte seine Nummer.
„Hast du das getan?“ Meine Stimme bebte.
„Was genau?“ Seine Worte waren glatt, fast unschuldig.
„Ich … ich bin kahl!“

Er seufzte, als hätte er es satt, mir etwas zu erklären.
„Ich habe dich oft gewarnt. Überall deine Haare – im Bad, in der Küche, im Schlafzimmer. Es ekelt mich. Jetzt ist Schluss. Keine Haare mehr.“

Mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Wut und Entsetzen überschlugen sich.
„Machst du Witze?!“ schrie ich.
Er redete weiter – über „Schönheit“ und „Ordnung“ –, als wäre es das Normalste der Welt.

Wir stritten lange, doch er sah kein Unrecht. Für mich war es Verrat.
Irgendwann hörte ich nicht mehr zu. Ich wusste längst, was ich tun würde.

Zuerst räumte ich seinen Schrank leer. Hemden, Hosen, Jacken – alles flog in den Garten, wo es in Flammen aufging. Der Rauch stieg auf, und in mir breitete sich ein seltsames Gefühl von Befreiung aus.
Dann holte ich seinen alten Laptop aus dem Schrank, staubig und nutzlos, und warf ihn in den Müll.
Als Nächstes nahm ich das Laufband auseinander, das seit Jahren das halbe Zimmer blockierte, und entsorgte es Stück für Stück.

Am Abend kam er heim – hungrig, gereizt.
„Warum ist das Abendessen nicht fertig?“
Ich sah ihn ruhig an.
„Weil ich nichts gekocht habe.“

Er wollte etwas sagen, doch ich hatte meine Tasche bereits gepackt.
„Ich habe genug. Genug vom Aufräumen hinter dir, genug vom Ertragen, genug von jemandem, der so etwas tut.“

Ich schloss die Tür hinter mir. Die Wohnung blieb still zurück – leerer als zuvor.
Und zum ersten Mal seit Langem konnte ich frei atmen.

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